Die Maschen und ich

Meine erste Berührung mit langen silbernen Nadeln und Wolle hatte ich im Alter von 9 Jahren im Handarbeitsunterricht. Ich erinnere mich noch wie gestern...und es war kein schönes Erlebnis...

Die Aufgabe: ein Waschlappen, wirklich, nicht wie andere, die Topflappen häkelten!
Der Anfang mochte ja noch gut gewesen sein, doch schon schnell wurde die Kante schief und musste mehr als einmal unter den strengen Augen meiner Handarbeitslehrerin geribbelt werden. Die zarte rosa Baumwolle von Rot Tulpe wurde mit Hilfe von schwitzigen Kinderhänden allmählich zu einem grauen, steifen Brett.
Irgendwann flossen Tränen, und dies kam durch die Geschwister meiner Schulfreundin wiederum meiner Oma zu Ohren. Und so stand sie plötzlich im Klassenzimmer! Die beiden Damen sind sich dann schnell über ihre schlesischen Wurzeln näher gekommen und im Ergebnis erhielt ich Stricknachhilfe von meiner geliebten Oma!
Der Waschlappen wurde fertig, aber ich schloss mit dem Kapitel Stricken für die nächsten 10 Jahre erstmal ab.

Bis ich in den 80'ern unbedingt einen dieser Norwerger Pullover haben musste. Die Wolle kaufte ich ganz einfach in einem der zahlreich verbreiteten Wollgeschäfte. Eine Anleitung für einen Raglan von oben gab es noch dazu und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Drei Stück strickte ich, unter anderem auf einer der zu der Zeit beliebten Butterfahrten (wer das nicht mehr kennt: Das war eine Busfahrt für 1 DM nach Cuxhaven, dort gings aufs Schiff, einmal in Dänemark anlegen und unterwegs wurde Butter und Alkohol eingekauft, zollfrei versteht sich!!)

Irgendwie strickte ich dann immer und überall, im Urlaub, auf dem Zeltplatz in Jugoslawien oder am Strand in Tunesien oder Spanien, beim Autofahren und im Flugzeug, da wo ich warten musste. Ganz besonders gerne beim Fernsehen, Serien wie Dallas, Denver oder die Springfield Story waren besonders geeignet, da entstand so manches Teil. Dann kam allerdings eine Zeit da waren die Werke fertig, aber ich mochte sie nicht anziehen, Strick war out. So manches Teil fristete sein Dasein unvollendet im Wollkorb, und vor ständigen Verlockungen musste ich wenig Angst haben, schloss doch ein Wollgeschäft nach dem anderen seine Türen.

Und dann begann die Zeit des Internet! Was es da nicht alles gab, OPAL Wolle hatte ich bis dato noch nie gehört, aber umso schneller ein Socken-Wolle-Abo, gab es dieses Garn doch in meiner Gegend nirgendwo zu kaufen. Ja, und über selbstmusternde Sockenwolle und deren Faszination bin ich aktuell auf handgefärbte Garne gekommen und nicht nur Socken sondern auch Tücher gehören derzeit zu meinen bevorzugten Projekten.

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